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BeitragVerfasst: Mo 6. Feb 2017, 15:34 
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Als Newbie beim Elefantentreffen
- oder: Wie verrückt kann man sein.


Als Kilometerfresser haben wir den BVDM in den Vorjahren schon bei einigen Aktionen unterstützen dürfen. Und da beim Elefantentreffen in Thurmansbang/ Solla viele helfende Hände für ein Gelingen der Veranstaltung benötigt werden, hat der Calli schon im letzten Jahr angefangen, mich zu einem Helfereinsatz dort zu überreden.

Ich bin zwar Ganzjahresfahrer, aber wer meine Heimat, das Ruhrgebiet, kennt, weiß dass hier schon alle durchdrehen, wenn die Temperaturanzeige mal den Gefrierpunkt berührt. Schnee kennen wir hier eigentlich nur als Matsch oder von Bildern.

Da ist so ein Wintertreffen im tiefsten Südosten Bayerns schon eine ganz andere Hausnummer.
Aber wer Calli schon einmal enthusiastisch gestikulierend und mit leuchtenden Augen vom Elefantentreffen berichten hörte, weiß wie überzeugend das sein kann.

Klar habe ich da zugesagt, als Helfer mitzuwirken.
Und wenn die Teilnehmer nur noch mit Motorrad oder Gespann anreisen dürfen, ja dann möchte ich das auch. Meine Deauville hat schon jede Ecke Europas gesehen, da werde ich es doch wohl auf zwei Rädern bis nach Bayern schaffen. Oder?
Bei den Kilometerfressern gilt der Satz: „Egal wie verrückt eine Idee ist, bei uns findest du immer jemanden, der mitmacht.“
Und so schloss sich Günni dem waghalsigen Plan bereits an, bevor ich es mir anders überlegen konnte. Bi Mei fand die Idee auch ganz toll und mit Steffi war unsere Viererriege zur Unterstützung beim Elefantentreffen komplett.
Erfahrungen, was Fahrten im Winter anbelangt hatte keiner von uns (also „richtiger“ Winter, siehe oben) und so machten wir uns daran, unsere Motorräder und uns auf die Reise ins Winterwonderland vorzubereiten: Griffheizung, Schaffell, Segelanzug, Thermowesten und -overalls, Heizhandschuhe, Lenkerstulpen, Skianzug, Taschenöfen und noch vieles mehr … wir waren gut vorbereitet. Und obwohl wir wie die Michelin-Männchen aussahen, war es irgendwann doch die gute alte Tageszeitung, die bei größter Kälte noch ihren Weg in Schuhe und Jacken fand und ein bisschen mehr isolierte.
Wir starteten bei einstelligen Minusgraden unsere erste Tagesetappe bis nach Würzburg und am zweiten Tag waren wir froh, als mittags das Thermometer kurz in den einstelligen Bereich zurück kletterte. Das zehrte an den Kräften und erforderte alle 50 bis 100 Kilometer eine wärmende Pause. Die Thermoskanne mit Kaffee hat die Fahrt unangetastet überstanden, denn wir waren froh über jede beheizte Gaststätte, in die wir einkehren konnten. Und bekanntlich wird das ja nicht gern gesehen, wenn man dort mit eigenen Getränken anrückt.
Die letzten 20 Kilometer jeden Tages waren die schlimmsten. Am ersten Tag mussten wir nach Sonnenuntergang noch 20 Kilometer zum Zwischenziel fahren. Die kamen uns wie 100 Kilometer vor. Am zweiten Tag begann pünktlich mit dem Verlassen der Autobahn der Atem an der Innenseite des Pinlockvisiers zu gefrieren und auch das Antibeschlagmittel kam an seine Grenze. Das Fahren mit offenem Visier war ein Highlight – auf das wir gern verzichtet hätten. Aber wenn einem die Gesichtszüge erst einmal eingefroren sind, lässt auch der Schmerz nach.

So haben wir es dann ohne nennenswerte Zwischenfälle (eine kälteanfällige Batterie, die bei -12 Grad nicht starten möchte hält uns nicht auf) zum Geisselstein geschafft.

Dort befindet sich das „Basislager“ eines Großteils der Helfer. Ein ehemaliges Hotel, in dem nun ein Catering-Service beheimatet ist. So stehen die vielen Zimmer leer und bieten Platz für kuschelige Luftmatratzen- und Schlafsack-Atmosphäre im Mehrbettzimmer. Auf dem Gelände des Elefantentreffens gibt es zwar auch einen für Helfer reservierten Zeltbereich, aber wir wollten ja nicht gleich übertreiben, man muss ja noch Steigerungspotential für nächstes Jahr haben. Außerdem hatten wir sowieso schon viel zu viel Gepäck mit und waren auf die Hilfe vierrädrig Reisender angewiesen. An dieser Stelle unser großer Dank an Arafat, der neben unserem Gepäck auch noch Steffi mit in den Süden brachte. Arafat heißt zwar eigentlich Michael, aber so heißt gefühlt die Hälfte aller BVDM’ler. Doch nur einer läuft jedes Jahr mit so einem Tuch auf dem Kopf als Kälteschutz übers Gelände.
Auf dem Rückweg hat uns Buddyteam dann geholfen unsere logistischen Probleme zu lösen. Auch ihm gilt unser Dank.

Wir wurden sehr herzlich empfangen und nachdem wir uns im Dachgeschoss häuslich eingerichtet hatten (Steffi hatte sogar ein Seil dabei, was wir prima als Wäscheleine zweckentfremden konnten), schaffte es das eine oder andere Glas Bier in fröhlicher Runde, in Verbindung mit diversen flüssigen Leckereien, uns wieder komplett aufzutauen.
Gleichzeitig bekamen wir erste Erläuterungen zu dem Konzept back 4 future und dem 7-Punkte-Plan, der 2015 eingeführt wurde. Kurz gesagt: keine Festzelte, keine LKW, keine PKW, keine Feuerwerkskörper, Sirenen oder Karbidkanonen.

Um das Gelände kennen zu lernen haben wir mit Michael (Arafat, genau) eine Schlittentour gemacht. Auf dem Schlitten haben wir eine Menge Schilder, die auf das Zeltverbot im Wald hinwiesen, gezogen, während wir uns durch den Schnee kämpften um diese an jeder bewaldeten Stelle des Geländes anzubringen. Unterbrochen wurde diese Runde von regelmäßigen Mahlzeiten, die wir im Organisationsbüro einnahmen.
Kulinarisch ist Bayern ja schon herausragend. Da haben selbst Snacks die Größe vollwertiger Mahlzeiten und davon gab es vier Stück täglich – mindestens. Wer also vorhat, als Helfer beim Elefantentreffen das eine oder andere Pfund zu verlieren: Aussichtslos. Das Küchenteam machte jedem Versuch in diese Richtung einen kalorienhaltigen, schmackhaften Strich durch die Rechnung. Das änderte sich auch ab Donnerstag kaum, als die Verpflegung dann über Wertmarken geregelt wurde, die an den einzelnen Imbissständen des Elefantentreffens gültig waren.
A pro pos Donnerstag: Unsere Erlebnisse haben Buddyteam derart angenascht, dass er sich spontan entschied am Donnerstag nachzukommen um unser Kilometerfresser-Newbieteam zu unterstützen.

Wir hielten uns mit einer Vielzahl an Aktivitäten bei denen wir mithelfen konnten bei Laune: Feuerlöscher und Rettungsdecken mussten ähnlich weiträumig verteilt werden, wie zuvor die Schilder. Diesmal allerdings nicht mit einem Schlitten, sondern mit einem Quad. Das hat dann schon wesentlich mehr Spaß gemacht und war auch nicht so ermüdend. Zumindest für mich nicht, ich war der Fahrer. Überhaupt wurde viel von dem Material, was auf dem Gelände gebraucht wurde mit dem Quad und Anhänger transportiert. Deshalb bekamen Günni und ich eine extra Einweisung von Manni auf dem Quad um den anderen beiden Quadfahrern aushelfen zu können. Denn sobald die geregelten Dienste begannen, mussten viele Helfer zu und von ihrem Dienst hin- und hergefahren werden.
Welch riesige Kompetenz sich im Laufe der Jahre bei der Organisation aufgebaut hat, fällt bei dem Betrachten vieler Kleinigkeiten auf: Das fängt bei dem Falten von zigtausend Müllbeuteln an, damit diese an der Kasse schnell und reibungslos mit ausgehändigt werden können und hört bei winterfesten Wasseranschlüssen an einer Quelle nicht auf, aus denen auch bei zugedrehtem Hahn ein kleiner Wasserstrahl das Einfrieren der Leitungen verhindert. Was der BVDM mit seinen ehrenamtlichen Helfern und den Bürgern von Thurmansbang da auf die Beine stellt, dass könnte ein professioneller Veranstalter kaum besser machen, schon gar nicht mit diesem Enthusiasmus.
Aus dem Sauerland oder der Eifel kenne ich von der Bevölkerung eine andere, negative Einstellung Motorradfahrern gegenüber. Hier habe ich nur freundliche, hilfsbereite Menschen getroffen, die – obwohl die Anzahl der Motorradfahrer Ende Januar die Einwohnerzahl Thurmansbangs mal eben um das Doppelte übersteigt – nie genervt wirkten oder unfreundlich waren. Sogar die Behörden ziehen hier mit an einem Strang. Wirklich vorbildlich!

Seit dem Wochenende vor Veranstaltungsbeginn füllte sich das Gelände mit Zelten und unsere Steffi wollte sich die Erfahrung nicht entgehen lassen und eine Nacht in ihrer Dackelgarage verbringen. Mit Stroh, Fell, Luma, Taschenöfen und einem warmen Schlafsack ausgestattet ließ es sich wohl gut aushalten. Wir anderen Newbies konnten uns gerade noch zurückhalten. Wobei: Nicht alle.

Fanden wir Steffis Zeltidee schon grenzwertig, so schoss Günni den Vogel endgültig ab: Der hat sich in den Kopf gesetzt, mit seiner sieben Zentner schweren Harley-Davidson Road King in die Arena zu fahren – mit Sommerreifen, aber ohne Schneeketten, Spikes oder ähnlichen Hilfsmitteln. Die Strecke bestand abwechselnd aus Schnee, Eis, Matsch und festgefrorenen Fahrspuren. Ich bin da zu Fuß nicht ohne Spikes heruntergelaufen und zu zählen, wie viele Motorräder auf der Strecke ohne Hilfe weder rauf noch runter kamen wäre eine Tagesaufgabe gewesen.
Aber Günni hat es geschafft und kann zu Recht mächtig stolz auf seine Leistung sein, denn die Harley hat es ohne größere Blessuren bis nach unten geschafft. Für den Weg zurück einige Tage später nahmen wir dann dankend die Hilfe eines Bauern mit seinem Traktor an, der die Road King kurzerhand an seine Schaufel hing, während wir in der Transportmulde mit hinauf fuhren. Das war bequemer und ging wesentlich schneller, aber der Traktor war auch ganz anders bereift und hatte auch noch Schneeketten aufgezogen. Der spielte also quasi in einer ganz anderen Liga.

Am Sonntag ging alles sehr schnell: Die meisten Teilnehmer waren gegen Mittag schon verschwunden und was tagelang aufgebaut worden war, war bis zum Abend wieder abgebaut und verstaut, so dass wir uns auf das Abschlussbuffet der Helfer und beteiligten Einwohner freuen konnten.
Montag früh hieß es dann auch für uns Abschied nehmen. Unsere Motorräder hatten sich mittlerweile an die Kälte gewöhnt, so dass entgegen unserer Befürchtungen alle drei Maschinen mit ein wenig Orgelei aber ohne Starthilfe ansprangen und wir mit einer Zwischenübernachtung gesund und um viele Erfahrungen reicher am Dienstag wieder in der Heimat ankamen.

Ein großes Dankeschön geht an meine „Mitnewbies“ Bi Mei, Steffi, Günni und Buddyteam. Es war eine tolle Zeit mit euch. Ich hatte sehr viel Spaß und ihr habt es geschafft, dass sich so ein Helfereinsatz wie Urlaub anfühlt.

Den vielen BVDM’lern einzeln zu danken, die uns bei unserem ersten Elefantentreffen an die Hand genommen und ihre Erfahrungen weitergegeben haben, die uns in jeder Minute das Gefühl gegeben haben, Teil des großen Ganzen gewesen zu sein und die durch ihre geduldige, hilfsbereite und offene Art das 61. Elefantentreffen für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen , würde eine Ballhupe komplett füllen. Und aufgrund der vielen, vielen Eindrücke würde ich bestimmt auch den einen oder anderen unabsichtlich vergessen. Deswegen sage ich euch allen an dieser Stelle im Namen der fünf Newbies von den Kilometerfressern ein herzliches Dankeschön!
Wir sehen uns spätestens beim 62. Elefantentreffen.

Bender

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Dateikommentar: offizielles Helferfoto beim Elefantentreffen
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Dateikommentar: Quadeinsatz im Gelände mit Streitwagen
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Dateikommentar: unsere Spike Girls
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Dateikommentar: Steffi mit ihrer Dackelgarage - harte Wintercamperin. Die braucht das.
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Dateikommentar: Wenn nichts mehr geht - der Albert fährt
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Dateikommentar: Das KF-ET-Newbie-Team (nicht im Bild Buddyteam) mit seinem persönlichen Betreuer Arafat
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BeitragVerfasst: Di 7. Feb 2017, 00:03 
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Registriert: Sa 20. Mär 2010, 21:35
Beiträge: 356
Herzlichen Dank für den umfassenden Bericht. Wobei es ja schwierig genug ist, die Extreme zu vermitteln. Die Kälte, die Masse an herrlich verrückten Bikern und deren Zelten, die arschglatten Wege und die gesamte Atmosphäre lässt sich trotz Bilder und Beschreibung wohl kaum vermitteln. Man hatte ständig das Gefühl, wer hier ist, ist ein Biker, bekloppt genug, um so etwas mitzumachen und gehört uneingeschränkt dazu. Wildfremd und trotzdem ein Umgang wie alte Freunde oder Familie. Was manche hier auf die Beine gestellt haben... Hut ab. Da drehten Spanferkel auf motorisiertem Grill. Da wurden Öfen, Zapfanlagen, Sitzbänke und Tische auf dem Beiwagen angekarrt. Solomaschinen mit Gepäck bis zum Helm. Umbauten und Anbauten, die man so selbst auf Messen noch nicht gesehen hat. Und jede Menge menschlicher Unikate.
Zugegeben, das Wetter war für eine solche Veranstaltung optimal. Es war knackig kalt, wir hatten reichlich Schnee, keinen Wind und es blieb sonnig und trocken. Bei Sturm und Regen um den Gefrierpunkt ist das Ganze sicher nicht halb so schön. Auch ich hatte dank Arafat, Bender, Bi , Günni und Steffi eine Menge Spaß und noch mehr neuer Eindrücke. Und ja, ich denke nicht, dass das bei diesem einem Mal bleibt.

DLzG
Olaf :drive:

_________________
Es kommt nicht darauf an,
woher der Wind weht,
sondern wie Du die Segel setzt!


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BeitragVerfasst: Mi 8. Feb 2017, 06:55 
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Registriert: Fr 11. Jun 2010, 11:49
Beiträge: 346
Klasse geschrieben und interessant für das Jahr 2018.


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BeitragVerfasst: Do 9. Feb 2017, 14:57 
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Registriert: Fr 15. Aug 2014, 23:05
Beiträge: 68
Schöner Bericht Carsten, Respect... :cs:

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Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen... ( Lennon oder doch Goethe) ...


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